Ortsporträt Stöckheim

Kreuzsteine

Mit 421 Einwohnern ist Stöckheim das viertkleinste Dorf im Reigen der 15 Ortschaften, die zur Kreisstadt Northeim gehören. Stöckheim liegt in landschaftlich attraktiver Lage am Rande des Leinegrabens, ist die nordwestlichste Ortschaft Northeims mit einer Gemeindefläche von 744 Hektar und heute überwiegend eine Wohngemeinde, die ihren landwirtschaftlichen Charakter noch nicht gänzlich verloren hat: Drei Bauernhöfe werden mit Ackerbau und Viehzucht als Vollerwerbs-Familienbetriebe geführt, sechs weitere Höfe gelten als Nebenerwerbsbetriebe. 365 Hektar Land werden landwirtschaftlich genutzt.

Stöckheim liegt zentral am linken Leineufer: Zehn Autominuten von der Kreisstadt Northeim entfernt und 15 Autominuten von der Bierstadt Einbeck. Stöckheim liegt im Knotenpunkt von zwei Landstraßen (Landesstraße 572 Northeim – Einbeck und Kreisstraße 507 Stöckheim – Iber), über die auf kürzestem Wege die Autobahn 7 Hannover – Kassel und die Fremdenverkehrszentren im Naturpark Solling-Vogler erreicht werden können.

Zwei Handwerksbetriebe haben ihren Sitz in Stöckheim, die beide als Familienbetrieb geführt werden: Die 1898 gegründete Bäckerei, die heute in vierter Generation von Bäckermeister Carsten Arndt geführt wird, und die 1934 in Schlesien gegründete Tischlerei Hellmiß, die sich 1952 in Stöckheim ansiedelte und heute von den Tischlermeistern und Brüdern  Detlef und Frank Hellmiß in dritter Generation geleitet wird. Sowohl die Bäckerei mit sieben Beschäftigten als auch die Tischlerei ( Klicken Sie hier für weitere Informationenwww.tischlerei-hellmiss.de) mit 15 Arbeitsplätzen genießen mit ihren Produkten einen hervorragenden Ruf, der weit über das heimatliche Leinetal hinaus geht. Durch das Dorf führt der gut ausgebaute und beschilderte Leine-Heide-Fernradweg, der die Radtouristen durch die Northeimer Seenplatte und das Wasservogelreservat entlang der Deiche des  Hochwasserrückhaltebeckens durch ein von sanften Höhen gesäumtes Tal mit dem Harz im Osten und dem Solling im Westen führt, in der eine artenreiche Vogelwelt mit Störchen, Gänsen, Schwänen  und Reihern auf grünen  Polderwiesen zu bestaunen ist, die sie sich mit Rehen und Hasen teilen.

Die Menschen des Dorfes pflegen ein reges Vereinsleben. Älteste Organisation ist die Realgemeinde mit 20 persönlichen Mitgliedern und der Kirchengemeinde. Die Realgemeinde verwaltet 27 Hektar Wald, der zwischen Iber und Moringen liegt. Ältester Verein ist der 1885 gegründete Männergesangverein mit seinen 50 Mitgliedern. Größter Verein mit etwa 400 Mitgliedern ist der 1948 gegründete Sportring, der über eine eigene Kleinsporthalle, zwei Tennisplätze mit einem Tennishaus neben dem Sportplatz und ein Fitness- und Gesundheitsstudio verfügt. Die 1902 gegründete Freiwillige Feuerwehr mit 112  Mitgliedern, darunter 43 Aktive, und einer aktiven Jugendfeuerwehr, die 1972 gegründet wurde und der 21 Jungen und Mädchen angehören, der 1985 gegründete Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes und der 1987 gegründete Dorfverschönerungsverein mit etwa 40 Aktiven sorgen mit ihren Veranstaltungen dafür, dass es in Stöckheim nie langweilig wird. Als politische Parteien engagieren sich SPD und CDU sowie die Wählergruppe „Gemeinsam für Stöckheim“ (GfS) für das Wohl des Dorfes und ihrer Bewohner. Die GfS gründete sich vor der Kommunalwahl im Jahr 2011 als Protestbewegung, um ein Zeichen zu setzen gegen die fortgesetzte Benachteiligung und Vernachlässigung der Ortschaft durch Rat und Verwaltung in Northeim. Bei der Ortsratswahl 2011 eroberte die GfS sämtliche sieben Mandate.

An der Spitze des Ortsrates steht Ortsbürgermeister Dietmar Weiß, der gleichzeitig auch Ortsbeauftragter ist. Seit der Kommunalwahl im Jahr 2011 gehören folgende Mitglieder dem Ortsrat an: Dietmar Weiß, Michael Brandes (Stellvertretender Ortsbürgermeister), Bianca Storm (sie legte 2012 ihr Mandat nieder, Nachrücker ist Thorsten Dankert), Sabine Möhle, Christian Bode, Reinhard Meier  und Hans-Jürgen Fisseler (Ortschaftsheimatpfleger).

Die jüngsten Kinder des Dorfes besuchen den Kindergarten im Nachbardorf Hollenstedt, die Grundschüler werden nach langem vergeblichem Kampf von Eltern und Ortsrat nicht länger im Nachbarort Drüber unterrichtet, sondern mehrheitlich in der Schule am Sultmer in der Kernstadt Northeim. Ab Klasse 5 geht es zu den weiterführenden Schulen in Northeim.

Zur Geschichte des Dorfes:

Auf den fruchtbaren Lös-, Lehm- und Schwemmlandböden im breiten Urstromtal der Leine haben die Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit schon in prähistorischer Zeit an den Ufern des Stöckheimer Baches, der auch in den trockensten Sommermonaten stets Wasser aus einer Quelle führt, die in den Ausläufern der Sollingberge entspringt und östlich des Dorfes in die Leine mündet, gesiedelt. Der Dorfkern liegt oberhalb der Überflutungsgrenze und damit geschützt vor den immer wieder auftretenden Hochwasserfluten der Leine.

2026 kann Stöckheim sein 1200-jähriges Bestehen feiern. Aus den Corveyschen Güterverzeichnissen geht geht die erste Erwähnung des Dorfes hervor, die auf das Jahr 826 schließen lässt.

Stöckheim weist heute kaum noch Merkmale auf, die auf eine historische Vergangenheit hinweisen. Gleichzeitig beweisen zahlreiche Urkunden die große Bedeutung Stöckheims in der Kirchengeschichte des Leinetals. Von Mainz aus wurden im 9. Jahrhundert im Gebiet zwischen Dransfeld im Süden und Greene im Norden zwölf mit dem Martinspatrozinium ausgestattete Mutterkirchen gegründet, von denen eine in Stöckheim entstand. Diese Kirche entwickelte sich zu einer Pfarr- und Taufkirche und war Sitz eines Erzpriesters. Von Stöckheim gingen im 12. und 13. Jahrhundert andere Kirchengründungen aus. Im Mittelalter hatte der Erzpriestersitz Stöckheim mehr als zehn Pfarreien im Gebiet des heutigen Landkreises Northeim.

Eigentümer der Stöckheimer Martinskirche waren die Erzbischöfe in Mainz. Sie gaben die Kirche zunächst dem Northeimer Grafen zu Lehen und übertrugen sie 1142 dem Kloster Fredelsloh. Mit der Reformation endete das Patronatsrecht. In Stöckheim blieb eine Pfarrkirche, von der heute nur noch der Taufstein aus dem Jahr 1641 vorhanden ist. Das heutige Kirchengebäude wurde auf den Grundmauern ihrer untergegangenen Vorgängerinnen errichtet und 1763 fertiggestellt.  Die überwiegende Mehrheit der Stöckheimer Bevölkerung ist evangelisch-lutherisch.     

Im 30-jährigen Krieg wurde Stöckheim fast zerstört. 1651 gab es nur noch 17 Hausstellen, 1675 waren es bereits wieder 44. Das heutige Häuserbild ist nicht älter als 200 Jahre. Bereits 1589 wurde in Stöckheim eine Lateinschule für Jungen und Mädchen eingerichtet. Sie wurde später als Volksschule weitergeführt. Jungen und Mädchen wurden bis 1884 getrennt unterrichtet. 1904 wurde eine neue Schule gebaut.

Zum   Dorf Stöckheim gehört der 1928 eingemeindete, westlich gelegene Ortsteil Wetze. Diese Domäne, deren Pächter  1950 die Einbecker Kleinwanzlebener Saatzucht AG, heute das Saatzuchtunternehmen Lochow-Petkus, eine Tochter der KWS Saat AG, wurde, hat sich auf die Zucht von Rübensaat und Getreide spezialisiert, die Abnehmer auf allen Kontinenten findet.

Sühnekreuze – Steinkreuze – Brüdersteine

Wer heute mit dem Rad oder als Wanderer auf dem Leineradweg unterwegs ist, der gelangt auf dem Weg flussabwärts beim Verlassen des Dorfes Stöckheim zur Anlage der Ortsheimatpflege, die die mittelalterlichen Kreuzsteine - in Stöckheim wegen einer Legende auch Brüdersteine genannt – in den Bann des Betrachters zieht. Diese Steine bergen ein Geheimnis, das niemals gelüftet wurde.

Ins 16. Jahrhunderts sind die drei roten Sandsteinmonumente datiert, deren exakte Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen ist und um die sich manche Sagen und Legenden gewoben haben. Eine Deutung geht davon aus, dass die Steine den Platz markieren, an dem mittelalterliche Gerichtsbarkeit stattfand.

Zu erkennen sind heute wieder drei Steine. Der kleinste war bereits vollständig im Erdreich versunken und wurde erst bei Straßenarbeiten im Jahr 1986 wieder entdeckt. Aus dem Jahr 1909 gibt es eine Überlieferung, die von vier Gedenksteinen spricht. Darauf basiert die am häufigsten erzählte Sage. Auf dem linken großen Stein sind auf der Vorderseite ein Scheibenkreuz, ein Rindenschäler und eine Pflugschar eingerillt, die Rückseite zeigt ein Balkenkreuz auf Bogensockel mit einem Sechmesser.

Auf dem mittleren Stein dominiert auf beiden Seiten ein Balkenkreuz auf einem Bodensockel. Auf der Vorderseite ist noch ein Rindenschäler und auf der Rückseite ein Sech- oder Haumesser eingerillt.

Vom rechten Stein ist nur noch ein Bruchstück ohne erkennbare Darstellung vorhanden.

Die Legende: Zwei Brüder, ein jeder von einem Knecht begleitet, treffen sich hier beim Pflügen, geraten wegen Grundstücksgrenzen miteinander in Streit und erschlagen sich alle vier gegenseitig mit ihren Pfluggeräten. Sie wurden am Ort des grausigen Geschehens begraben. Der eine Bruder prophezeite sterbend: Wer in diesem blutigen Streit Unrecht gehabt habe, dessen Grabstein werde in der Erde versinken.    

Hans-Jürgen Fisseler

Aktualisiert im April 2014