Archäologische Untersuchungen an jungsteinzeitlichen Fundstellen in Northeim

Was die Menschen der Jungsteinzeit antrieb, wie sie lebten und ihre Umwelt nutzten, versuchen derzeit Forscher des Instituts für Vor- und Frühgeschichte der Universität Regensburg zu ergründen.

Projektleiter Martin Posselt und Studentin Karolina Stahlmann von der Universität Regensburg bei der Bedienung des Magnetometers auf Ackerflächen im Bereich Hollenstedt-Stöckheim (Fotografin: Helene Sedlmaier, Uni Regensburg)

Eine Pressemeldung zu einer Aktion der Uni Regensburg zwischen Hollenstedt und Stöckheim in Kooperation mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Northeim.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes arbeiten sie noch bis zum 28. Februar in der Feldflur von Hollenstedt und Stöckheim auf Fundstellen der Zeit von vor über 7.000 Jahren. Allerdings werden dabei keine Ausgrabungen vorgenommen. Die Wissenschaftler und Studenten nutzen eine zerstörungsfreie Technik um unterirdisch erhaltene Siedlungsreste zu finden und zu kartieren. Dabei werden die magnetischen Eigenschaften des Bodens genutzt und mithilfe eines Magnetometers, das über die Ackerflächen getragen wird, aufgezeichnet. Alle Erdeingriffe, auch wenn diese bereits Jahrtausende zurückliegen, hinterlassen Störungen im Erdmagnetfeld, die das hochsensible Gerät erfassen und darstellen kann.

Seit Urzeiten besiedelt

Die Landschaften entlang des Leinegrabens zwischen Göttingen und Hildesheim sind seit Urzeiten besiedelt. Bereits in der Zeit um 5.300 vor Christi Geburt haben sich hier erstmals Menschen niedergelassen, die Häuser errichteten, Getreide anbauten sowie Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine züchteten. Ein Netz aus kleinen Siedlungen und Weilern von meistens nur drei oder vier Höfen mit ihren Gärten und Feldern schaffte Lichtungen in einem Waldmeer, mit dem die damalige Landschaft überzogen war.
Zwar haben sich keine schriftlichen Nachrichten aus dieser Zeit erhalten, doch benennt die Archäologie diese Zeit nach einer speziellen Verzierungsweise der damals gebräuchlichen Keramikgefäße als „bandkeramischen Kultur“ (frühe Jungsteinzeit, ca. 5.500 – 4.900 v. Chr.).
„Die Ergebnisse dieser Geländearbeiten sollen in Untersuchungen zur Jungsteinzeit in Europa einfließen“ erklärt Projektleiter Martin Posselt. „Die frühen Ackerbauern der bandkeramischen Kultur in Northeim waren Teil eines zwischen der Normandie und dem Schwarzen Meer verbreiteten, eng miteinander verbundenen Siedlungsnetzes. Neben niedersächsischen Fundstellen untersucht die Universität Regensburg auch solche in Bayern, Moldawien und in der Ukraine, um von den Erfahrungen der Menschen dieser frühen Zeit zu lernen“.