Archäologie im Hinterhof

Einst beherbergte das markante Fachwerk-Eckgebäude in der Breiten Str. 12 das Northeimer Traditionsgeschäft Bergland-Sport. Nach längerem Leerstand wird das nicht unter Denkmalschutz stehende, aber im Kern etwa 300 Jahre alte und mit einem Tonnengewölbe unterkellerte Haus zur Zeit saniert und modernisiert.

Das Bild zeigt: Die Archäologinnen Agatha Palka und Sabine Stoffner dokumentieren Fundamentreste und ehemalige Bodenoberflächen. Stadtarchivar und Museumsleiter Dr. Stefan Teuber zeigt sich begeistert von den freigelegten Befunden.

Foto: Die Archäologinnen Agatha Palka und Sabine Stoffner dokumentieren Fundamentreste und ehemalige Bodenoberflächen. Stadtarchivar und Museumsleiter Dr. Stefan Teuber zeigt sich begeistert von den freigelegten Befunden. Foto: Christoph Kühne, Stadt Northeim

Durch eine notwendige Fundamentverstärkung des Flügelbaus im Hinterhof wurden Bodeneingriffe vorgenommen, die nun von Archäologinnen der Göttinger Fachfirma Streichardt & Wedekind im Auftrag des Investors dokumentiert werden.
In den zwei Meter tiefen Gruben haben Agathe Palka und Sabine Stoffner die Reste von Fundamenten und alten Bodenoberflächen sowie Scherben und Dachziegel entdeckt. „Die gesamte Altstadt ist Bodendenkmalverdachtsfläche“ erläutert Stadtdenkmalpfleger Christoph Kühne. Northeim war schon im Mittelalter dicht bebaut. Mit Relikten der über 1000jährigen Stadtgeschichte ist praktisch in der gesamten Altstadt zu rechnen. In den Hinterhöfen standen unzählige Schuppen und Ställe. Auch Brunnen und Latrinen waren hier vorhanden. Abfälle und Abbruchschutt wurden häufig einfach vor Ort eingeebnet anstatt sie abzufahren, Vorgängerfundamente im Boden belassen – so siedelten sich die Northeimer sprichwörtlich in die Höhe. „Die ältesten Siedlungsschichten wurden aber durch diesen Eingriff noch nicht erreicht“ bemerkt Northeims Stadtarchivar und Museumsleiter Dr. Stefan Teuber. Möglicherweise eröffnet ein geplanter Aufzugsschacht dazu später noch die Gelegenheit.