Delegation erinnert in österreichischer Partnerstadt Gallneukirchen an Northeims dunkelste Zeiten

Am 12. März erinnern die Menschen in Österreich an den Einmarsch der Nationalsozialisten im Jahr 1938. In der Northeimer Partnerstadt Gallneukirchen fand diese Erinnerung im Rahmen einer gemeinsamen szenischen Lesung des Buches „Das haben wir nicht gewollt!“ statt. Das Werk von Autor William Sheridan Allen beschreibt den Aufstieg des Nationalsozialismus am Beispiel einer deutschen Kleinstadt. Dabei standen die Geschehnisse in Northeim für diese Geschichte Pate. In der Landesmusikschule Gallneukirchen fand dazu eine szenische Lesung mit Gästen und einer Delegation aus Northeim statt. 

Northeims stellvertretender Bürgermeister Holger Lambrecht und Ratsmitglied Hans Harer haben die Lesung durch Beiträge und Fragstellungen aktiv mitgestaltet. Bürgermeister Simon Hartmann war mit einer Videobotschaft beteiligt. Die Idee zu der Lesung ist im Rahmen des Besuches der österreichischen Partner im vergangenen September in Northeim entstanden. 

Gallneukirchens Bürgermeister Sepp Wall-Strasser betonte in seiner Eröffnung die Bedeutung der aktiven Erinnerungskultur insbesondere auch im Rahmen der mehr als 30-jährigen Städtepartnerschaft mit Northeim. Viele der historischen Hintergründe des Partners seien in Gallneukirchen bislang kaum bekannt gewesen.

Im anschließenden Hintergrundgespräch schilderte Hans Harer, Ausschussvorsitzender für Bildung, Kultur und Städtepartnerschaften in Northeim, die Entstehung und Wirkungsgeschichte des Buches. Als ehemaliger Geschichtslehrer begleitet er seit vielen Jahren die Auseinandersetzung mit diesem sensiblen Kapitel der Stadtgeschichte.

Die szenische Lesung aus dem Werk von William Sheridan Allen machte sichtbar, wie rasch und schleichend demokratische Strukturen in eine Diktatur kippen können. Schauspielerinnen und Schauspieler – ehemalige Mitwirkende des Landestheater Linz – verliehen den historischen Figuren eine Stimme und ließen die gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit greifbar werden. Die Lesung wurde musikalisch mit Gesang und Klavier umrahmt. Am Ende der Veranstaltung folgte ein persönlicher Austausch.

Im Rahmen des Besuches der Delegation in Gallneukirchen, zu der auch Anja Lustig als Vertreterin der Stadtverwaltung gehörte, wurden am Rande auch weitere Begegnungen zwischen den Partnerstädten geplant.