Klima-Fasten (Klimaschutztipps 02/2021)

Am 17. Februar beginnt mit dem Aschermittwoch die traditionelle christliche Fastenzeit. Auch wenn Sie nicht dem christlichen Glauben angehören, könnten Sie dieses Jahr vielleicht (in abgewandelter Form) an dem Brauch teilhaben, um sich bewusst mit Ihrem Konsum und der eigenen Lebensweise zu beschäftigen? Und dadurch Ihrer Umwelt, dem Klima und vor allem sich selbst etwas Gutes tun.

Das Bild zeigt ein Schild mit der beschriftung Co2.

Hintergrund: Christliches Fasten
Christen fasten an 40 Tagen in den 7 Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern, der Passionszeit. Sonntage sind vom Fasten ausgenommen. In der Zeit verzichten Christen auf freiwilliger Basis bewusst auf Dinge, die ihnen wichtig sind. Diese Enthaltsamkeit soll zu einer Neubesinnung führen und Gott den Gläubigen näherbringen.

Fasten nicht nur aus religiösen Gründen
Diese Zeit kann aber unabhängig vom Glauben dazu genutzt werden, die eigene Lebens- und Konsumweise zu reflektieren und sich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Denn wenn wir bewusst auf Dinge verzichten, die wir (nahezu) alltäglich nutzen, merken wir, dass sie eventuell doch gar nicht so wichtig sind, wie wir dachten, oder lernen diese Dinge mehr wertzuschätzen. Letztlich lassen sich dadurch Ressourcen sparen.

Fastenideen
Daher werden an dieser Stelle Anregungen gegeben werden, warum es sich lohnt, auf bestimmte Dinge zu verzichten.

Der erste Fasten-Vorschlag: Palmöl! Es steckt in vielen Fertiggerichten, Schokoriegeln, Kosmetikprodukten oder Aufstrichen. Die gesundheitlichen Aspekte außenvorgelassen, steht es immer öfter in der Kritik, weil für den Anbau der Ölpalme in Monokulturen auf Plantagen in Südostasien die Regenwälder gerodet werden. – So werden Treibhausgase frei, weil sie nicht mehr in den Pflanzen gespeichert werden können. Versuchen Sie doch, in den nächsten 7 Wochen nur Produkte zu kaufen, die kein Palmöl oder lediglich Palmöl aus nachhaltigem Anbau enthalten. Mittlerweile gibt es in Supermärkten ein gutes Angebot und auf der Vorderseite entsprechender Produkte lässt sich der Zusatz „palmölfrei“ finden.

Haben Sie auch das Gefühl abhängig von Ihrem Handy oder anderen technischen Geräten zu sein und es (bspw. aus Langerweile) viel zu oft in die Hand zu nehmen? Dann legen Sie für die nächsten 7 Wochen Zeiten fest, an denen Sie Ihr Handy oder die Spielkonsole bewusst nutzen. Sie werden merken, dass Sie viel mehr Zeit für andere Dinge haben und nebenbei noch Strom sparen.

Verzichten Sie in den nächsten 7 Wochen auf Flaschenwasser und wählen Sie stattdessen das Wasser aus der Leitung. Leitungswasser in Deutschland hat eine sehr gute (Trink-)Qualität und wird zum Teil noch intensiver kontrolliert als Wasser aus der Flasche. Mögen Sie lieber gesprudeltes Wasser, lohnt sich sicherlich die Anschaffung eines Wassersprudlers. Einwegplastikflaschen werden, wie der Name schon sagt, nur einmalig verwendet, obwohl sie energieintensiv aus Erdöl hergestellt werden und dabei Treibhausgase ausgestoßen werden. Zudem müssen Sie mit Leitungswasser keine Kisten tragen und können vielleicht auch ohne Auto einkaufen?

Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Wie oft nutzen Sie Ihr Auto für kurze Wege, die auch gut zu Fuß oder mit dem Rad zu bewältigen wären? Aus Bequemlichkeit zieht sicherlich jede_r mal das Auto vor, obwohl es gar nicht notwendig wäre. Deshalb die simple Idee: Auto fasten! Lassen Sie doch in den nächsten 7 Wochen das Auto für Kurzstrecken unter 5 km stehen. Denn auf Kurzstrecken verbraucht das Auto durch häufiges Anfahren am meisten Sprit. So bewegen Sie sich auch mehr und unterstützen Ihre Gesundheit. Und tragen nebenbei durch den Ausstoß von weniger Treibhausgasen zum Klimaschutz bei.

Meiden Sie doch in den nächsten Wochen Fleisch oder tierische Produkte insgesamt. Der Kernaspekt hierbei ist, dass bis das Endprodukt Fleisch entstanden ist, die Tiere über mehrere Jahre Futter brauchen. Würde auf den Flächen für den Futteranbau direkt Nahrung für den Menschen angebaut, könnten dadurch viel mehr Menschen ernährt werden. – Wodurch eben auch der Ausstoß von Treibhausgasen minimiert wird. Eine vegane oder vegetarische Ernährung wird immer einfacher, da das Angebot von diesen Produkten immer weiter wächst – und sogar vegane Pizza schmeckt! Es geht nicht darum, dass Sie sich von jetzt auf gleich perfekt vegetarisch oder vegan ernähren, sondern sich mit der Thematik beschäftigen und vielleicht auch erst nach und nach kleine Schritte gehen. Eine erste Möglichkeit könnte sein, Ihren Kuhmilchjoghurt oder Kuhmilch durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen. Probieren Sie es einfach aus.

Wenn Ihnen die bisher genannten Vorschläge zu spezifisch sind, können Sie auch als übergreifende Idee CO₂ fasten. Die Klimaschutzmanager_innen der Metropolregion Nürnberg stellen dafür jährlich ein spannendes Programm zusammen. Jeden Tag der Fastenzeit sind Sie aufgefordert, etwas Neues zu entdecken oder zu hinterfragen. Einen Tag wird keine Butter gegessen, auf dem Wochenmarkt eingekauft oder nur das Fahrrad genommen. Insgesamt wird so CO₂ gespart. Das Programm finden Sie unter https://co2challenge.net/

Mit dem bewusstem Verzicht auf Dinge, die Sie (nahezu) alltäglich nutzen, können Sie Ihre eigene Lebensweise hinterfragen und vielleicht sogar einige festgestellte Verbesserungen nach der Fastenzeit übernehmen. Es geht hierbei nicht darum, perfekt zu fasten. Wenn Sie sich dem Ziel und Hintergrund bewusst sind, ist auch ein „Fehltritt“ nicht schlimm. Probieren Sie es einfach aus!

Sie werden sehen: Verzicht bedeutet auch gleichzeitig etwas Neues zu entdecken und andere Wege und Lebensweisen kennenzulernen. – Es kann also immer auch als Chance gesehen werden.